70-Schützende Gewalt und Konsequenz

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Lea Wedewardt

Wenn es nicht gelingt, durch gewaltfreie Methoden Grenzen zu schützen (wie in den Folgen 68 und 69), ist es manchmal notwendig, körperlich einzuschreiten und dabei bewusst Grenzen eines Kindes zu überschreiten. Die schützende Gewalt beschreibt ein Vorgehen aus der Gewaltfreien Kommunikation, bei dem Grenzen überschritten werden um die Grenzen anderer zu schützen und dabei wichtige Bedürfnisse zu erfüllen.


In drei Beispielen erkläre ich in dieser Folge, was ihr tun könnt, wenn Kinder auf eure Bitte, Grenzen zu respektieren, nicht eingeht. Wenn ein Kind z.B. mit einem Stein auf ein anderes Kind werfen möchte, wenn ein Kind wiederholt sehr laut mit dem Löffel auf den Tisch klopft, so dass andere Kinder sich die Ohren zuhalten müssen oder wenn ein Kind beleidigende Sätze zu einem anderen Kind sagt trotz achtsamen Kommunizierens nicht damit aufhört.


In dieser Folge wird verdeutlicht, worauf es bei der schützenden Gewalt oder dem Anwenden einer Konsequenz ankommt und wie die Würde des Kindes trotzdem erhalten bleiben kann. Ihr erfahrt, wie das Kind seine Grenzen achten lernt auch wenn wir in manchen Situationen über seine Grenzen gehen müssen.

Kontakt zu mir: bo.kinderbetreuung@gmail.com und über die Webseite: https://www.beduerfnisorientierte-kinderbetreuung.de/

BO Akademie: www.bo-akademie.de, kontakt@bo-akademie.de

Instagram: @derkitapodcast Facebookgruppe: „Bedürfnisorientierte Kinderbetreuung“

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64 – Woran erkenne ich eine gute Kita? Mit Saskia von der Kita St. Franziskus

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Lea Wedewardt
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Saskia Franz

Diesmal ist es etwas anders: Die Kita Leiterin Saskia Franz von der Kita St. Franziskus im Kirchtal und ich haben gemeinsam eine Folge aufgenommen und strahlen sie anschließend in zwei Podcasts parallel aus: einmal in ihrem eigenen Podcast „Getzwitscher aus dem Kindergarten“ und einmal hier im „Der Kita Podcast“. Wir sprechen gemeinsam darüber, was eine gute Kita ausmacht und woran man ihre Qualität auch als Außenstehender erkennen kann. Die Kita St. Franziskus hat im Jahr 2020 den 2. Platz beim Kita Preis gewonnen. Somit kann Saskia anhand der Qualitätskriterien erklären, woran eine gute Kita zu erkennen ist. Ich lasse in dieser Folge meine Erfahrung aus dem Qualitätsmanagement in Kitas mit einfließen und bringe meine Gütekriterien mit ein.

Du bist beispielsweise Fachkraft und willst wissen, ob eine Kita qualitativ hochwertig arbeitet um dort eventuell zu arbeiten? Oder du bist Mutter oder Vater und möchtest herausfinden, ob diese Kita gut genug ist für euer Kind? Dann ist diese Podcastfolge genau richtig für dich!

Viel Spaß beim Anhören!

Podcast „Getzwitscher aus dem Kindergarten“: https://open.spotify.com/show/4xNwbTVmJJBGkuyEGB1RNG

Kita St. Franziskus Webseite: https://im-kirchtal.de/

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63 – Bundesprogramm Sprachkitas mit Anna-Lisa Pasiziel

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Lea Wedewardt
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Anna-Lisa Pasiziel

Was ist genau das Bundesprogramm Sprachkitas? Wie ist das Programm organisiert? Wie kann man Sprachkita werden? Was ist die Rolle einer Fachkraft des Bundessprachprogrammes, was sind die Aufgaben einer Fachkraft im Bundesprogramm? Welche Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren gibt es im Bereich der Sprache in der Kita? Wie können Sprachanlässe geschaffen werden? Um diese Fragen geht es in dieser Podcastfolge. Als kompetente Expertin habe ich diesmal Anna-Lisa Pasiziel an meiner Seite. Sie arbeitet als Kindheitspädagogin bereits seit drei Jahren in dem Programm und weiß Antwort auf alle Fragen.

Kontakt zu Anna-Lisa: isa308gmx.net

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Eine Auszeit als Strafe ist grenzüberschreitend

Heute geht es um ein nicht sehr erfreuliches Thema, aber eins, das mir sehr am Herzen liegt. Ich habe in meinem beruflichen Alltag bereits ein paar Mal gesehen, wie Kinder als Strafe für ein unerwünschtes Verhalten alleine in der Garderobe sitzen mussten. Die anderen Kinder haben derweil weiter im Gruppenraum gespielt oder sind als Gruppe rausgegangen. Das heißt, die betroffenen Kinder waren für einen längeren Zeitraum auf sich gestellt.

Zunächst möchte ich klar feststellen, der Ausschluss aus einer sozialen Gruppe als Bestrafung ist eine klare Grenzüberschreitung und nicht erlaubt! Der Paritätische Gesamtverband hat eine Arbeitshilfe zum Kinderschutz herausgegeben, in dem erklärt wird, dass “vor die Tür stellen” eine Form der Gewalt ist – also in der Garderobe sitzen, in eine Ecke stellen, vor die Tür stellen. Diese Art der Gewalt, nämlich der soziale Ausschluss aus einer Gruppe, steht in dieser Erklärung in der Schwere gleichrangig neben dem Zwang zum Aufessen, zum Schlafen, der verbalen Erniedrigung, Beschämung und der körperlichen Gewalt.https://www.paritaet-berlin.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/2016/September/2016_09_29_kinder-und-jugendschutz-in-einrichtungen_web.pdf

WARUM ist nun der Ausschluss aus der Kindergartengruppe für ein Kind so schlimm?

Man könnte ja sagen, das Kind sitzt doch an einem sicheren Ort, hat seine Ruhe und kann für sich spielen. Aber was in dem Kind passiert, kann auf Dauer negative Auswirkungen auf die Entwicklung und das Wohlbefinden des Kindes haben.

  • Der Ausschluss aus sozialen Gruppen fügt Kindern psychischen STRESS zu. Wir Homo Sapiens sind neurowissenschaftlich gesehen darauf gepolt, immer in der Nähe der sozialen Gruppe zu bleiben. Wenn wir früher alleine in der Wildnis unterwegs gewesen wären, hätten wir vermutlich ohne unsere Gruppe nicht lange überlebt. Es kann also ein Gefühl von verlassen sein, allein gelassen sein oder sogar ein Gefühl von Todesangst einsetzen. Das bedeutet im Gehirn massiven Stress. Und eine hohe Cortisolausschüttung im Gehirn kann auf Dauer eine chronische Cortisolüberfunktion oder eine chronische Cortisolunterfunktion hervorrufen und die Entwicklung beeinträchtigen.
  • Die BEZIEHUNG zur strafenden Fachkraft wird durch den Ausschluss aus der Gruppe erschüttert. Das Kind fühlt sich in der Umgebung der Bezugsperson nicht mehr sicher: “dieser erwachsenen Person kann ich nicht vertrauen. Sie schützt mich nicht, sondern bringt mich in Gefahr”. Ein solcher verinnerlichter Glaubenssatz kann mehrere Auswirkungen haben, z.B. dass das Kind nicht mehr in den Kindergarten gehen möchte weil es sich dort nicht sicher fühlt.
  • Wie jede andere Bestrafung ist der Ausschluss aus der Gruppe hochgradig BESCHÄMEND. In diesem Fall wird die Scham allerdings noch verstärkt. Wenn ein Kind wieder zur Gruppe zurückkommen darf, sind alle Augen auf das “Übeltäter”-Kind gerichtet. Unter Umständen kann die Beschämung beim Zurückkommen noch gravierender sein als beim Verhängen der Strafe. Eine solche Art der Beschämung kann dazu führen, dass das Selbstbild des Kindes langfristig erschüttert wird und es bei wiederkehrendem Ausschluss ein negatives Selbstbild aufbaut: “ich bin böse”. Eine solche häufig auftretende Beschämung kann traumatische Auswirkungen für das Kind bedeuten (https://www.traumaheilung.de/trauma-und-scham/)
  • Einfühlungsbeispiel: wie würden wir uns fühlen, wenn wir bei unseren Verwandten zu einer Geburtstagsfeier eingeladen wären, wir schütten ausversehen ein Glas um und unsere Mutter würde uns vor die Tür setzen, uns also von der Gesellschaft ausschließen. Es würde alles in uns erschüttern: das Vertrauen in unsere Mutter, die Unsicherheit unseren Verwandten gegenüber und das Gefühl zu uns selbst. Zurückbleiben würde eine riesengroße WUT und das Bedürfnis zu FLIEHEN.
  • Fachkräfte wollen mit ihrer bestrafenden Handlung erzielen, dass ein Kind das ungewünschte Verhalten nicht mehr zeigt. Es kann auch sein, dass der gewünschte Effekt kurzzeitig eintritt. Der Ausschluss aus der Gruppe wird das Kind allerdings eher dazu veranlassen in Widerstand zu gehen und seinem ÄRGER über die Bestrafung Luft zu machen. Solche Kinder werden dann häufig als “schwierige Kinder” betrachtet. Langfristig gesehen ist der Ausschluss aus der Gruppe also für beide Seiten ineffektiv und ungesund.
  • Die Reaktion auf die Bestrafung und der entstandene Schaden ist allerdings stark vom Temperament des Kindes abhängig. Manche Kinder würden sich z.B. eher zurückziehen und autoaggressive, depressive Anzeichen zeigen.
  • Auch die Reaktion der ELTERN zuhause spielt eine entscheidende Rolle. Nehmen die Eltern ihr Kind ernst, trösten sie oder bleibt das Kind mit seinem Kummer alleine bzw. wird noch zusätzlich bestraft für sein „böses“ Benehmen.

Meine Haltung ist klar: ganz egal, was ein Kind “anstellt”, der Ausschluss aus der Kindergartengruppe darf NIE ein Mittel der Erziehung sein!

Welche alternativen Handlungsweisen Fachkräfte anstatt einer Auszeit nutzen können, erkläre ich in dem Artikel: „5 Alternativen für eine Auszeit als Strafe“


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