24 – Achtung Kinderperspektiven. Mit Kindern KiTa-Qualität entwickeln – ein Interview mit Lisa Vestring

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In dieser Podcastfolge spreche ich mit Lisa Vestring über die Studie: “Achtung Kinderperspektiven! Mit Kindern KiTa-Qualität entwickeln” von der Bertelsmannstiftung. Die Praxisforschergruppe unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Nentwig Gesemann hat sich mit einem breiten Methodenspektrum den Perspektiven der Kinder angenähert. In 23 Qualitätsdimensionen konnten die Kindheitsforscherinnen herausfinden, was den Kindern in der KiTa besonders wichtig ist. Was Kinder unter guter KiTa-Qualität verstehen und mit welchen Methoden wir Kinderperspektiven in der Praxis auf den Grund gehen können, davon handelt diese Episode. Viel Spaß beim Hören.

Studie “Achtung Kinderperspektiven! Mit Kindern KiTa-Qualität entwickeln”: https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/fruehkindliche-bildung/projektnachrichten/achtung-kinderperspektiven-mit-kindern-kita-qualitaet-entwickeln

Berliner Kita-Institut für Qualitätsentwicklung: https://www.beki-qualitaet.de/

Episode: “die Angebotspädagogik auf dem Prüfstand”: https://www.beduerfnisorientierte-kinderbetreuung.de/03-angebotspaedagogik-auf-dem-pruefstand

20 – Jungenpädagogik – Ein Interview mit Dirk Fiebelkorn

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Was brauchen denn eigentlich Jungs? Brauchen sie überhaupt etwas anderes als Mädchen? Wie gehen wir in der Praxis damit um wenn Jungen kämpfen, raufen, Waffen bauen oder mit Waffen spielen? Wenn wir uns überlegen wie Jungen sind und was sie brauchen, reproduzieren wir dann eigentlich nur irgendwelche Geschlechterrollen? Und andersherum, wenn wir genderneutral auf Kinder blicken, verlieren wir dann evtl. sogar den bedürfnisorientierten Blick auf Jungen?

Fragen über Fragen. Mein Gast Dirk Fiebelkorn und ich gehen genau diesen Fragen auf den Grund.

Wenn ihr mit Dirk Kontakt aufnehmen wollt, hier sind die nötigen Links:

19 – Eingewöhnung in der Peergroup

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In dieser Podcast Episode erklärt uns Sarah Bohnes vom ILKE Institut das Konzept der Eingewöhnung in der Peergroup. Im gemeinsamen Gespräch wägen wir anschließend die Vor- und Nachteile dieses innovativen Konzeptes ab. Am Ende überlegen wir, in wieweit dieses Modell eine Möglichkeit ist, die Wiedereingewöhnungen der Kinder in die Kindertagesbetreuung nach Corona zu gestalten.

Kontakt zu Sarah Bohnes:
http://sarah-bohnes.de/
https://ilke-institut.de/netzwerk-ilke/trainerinnen-und-lizenzierte-partnerinnen/sarah-bohnes/

Quellen zu den beiden im Podcast erwähnten Texten:
– Heike Fink, “In der Peer starten wir”, in Theorie und Praxis der Sozialpädagogik, ISSN 0342-7145
– Regine Schierle-Wenger, “Gut angekommen – Eingewöhnung in der Peergroup”, in Praxis Kita, Ausgabe 49, September 2017, Bestellnummer 12549

Weiterführende Blog-Artikel zum Thema Eingewöhnung:
https://www.beduerfnisorientierte-kinderbetreuung.de/nuetzliches-wissen-zur-eingewoehnung-wissenschaftliche-erkenntnisse-aus-der-transitionsforschung
https://www.beduerfnisorientierte-kinderbetreuung.de/nuetzliches-wissen-4-fehlannahmen-fuer-eine-abgeschlossene-eingewoehnung

18 – Gewalt durch pädagogische Fachkräfte verhindern – Ansprechen, Besprechen, Prävention

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Gewalt durch pädagogische Fachkräfte verhindern – Ansprechen, Besprechen, Prävention: Im 4. Teil der Podcastreihe “Gewalt durch pädagogische Fachkräfte verhindern” gehe ich nochmal darauf eine, wie wir als Eltern oder KollegInnen in fünf Schritten etwas ansprechen können, das gegen unsere Wertvorstellungen geht. Anschließend gebe ich Anregungen zum kollegialen Besprechen gewaltvollen Handelns als Teamaufgaben. Zuletzt widme ich mich insbesondere der Frage, wie man gewaltvollem Handeln in der Einrichtung konkret vorbeugen kann und schlage euch dabei praxisrelevante Ideen vor. Vielleicht könnt ihr ja den ein oder anderen Vorschlag nutzen.

Dazu passend ist auch der Artikel von Barbara Leitner: https://www.beduerfnisorientierte-kinderbetreuung.de/gewalt-von-fachkraeften-gewaltfrei-verhindern-in-der-auseinandersetzung-die-wuerde-aller-zu-wahren

Und das Buch von Jörg Maywald “Gewalt durch pädagogische Fachkräfte verhindern: Die Kita als sicherer Ort für Kinder”: https://www.amazon.de/dp/3451383195/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=GNRQBN9RODJ6

17 – Gewalt durch pädagogische Fachkräfte gewaltfrei verhindern – Ein Interview mit Barbara Leitner

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Im dritten Teil der Podcastreihe “Gewalt durch pädagogische Fachkräfte verhindern”  beantwortet mir die zertifizierte Trainerin der Gewaltfreien Kommunikation Barbara Leitner die Frage, wie denn Gewalt in Kitas GEWALTFREI verhindert werden kann. Denn die große Kunst ist es doch, gewaltvollem Handeln nicht mit einer ebenso zerstörerischen Energie entgegenzutreten.

Lest auch gerne Barbaras Gastbeitrag auf meinem Blog: https://www.beduerfnisorientierte-kinderbetreuung.de/gewalt-von-fachkraeften-gewaltfrei-verhindern-in-der-auseinandersetzung-die-wuerde-aller-zu-wahren

Kontakt zu Barbara Leitner: 

16 – Gewalt durch pädagogische Fachkräfte verhindern Teil 2 – (M)ein Dilemma zwischen Hinsehen und Wegsehen

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In dieser Podcastfolge spreche ich über meine Gefühle und meinen eigenen inneren Konflikt. Ihr erfahrt wie es mir selbst geht, wenn ich gewaltvolles Handeln von Fachkräften beobachte und miterlebe – diesmal handelt es sich also um ein Stück Seelenleben von mir, meinem Dilemma zwischen Hinsehen und Wegsehen.

Den passenden Blogartikel findest du hier .

12 – Gibt es ein zu viel an Nähe im pädagogischen Kontext?

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Es hält sich in der pädagogischen Praxis immer noch hartnäckig der Glaube, dass zu viel körperliche und emotionale Nähe den Kindern schaden könnte. Die Angst ist groß, dass Kinder bei zu enger Bindung zu den Fachkräften viel weinen, sich nicht lösen und nicht selbständig werden könnten. Pädagogische Fachkräfte sollten die professionelle Distanz wahren, um ein Kind nicht zu sehr an sich zu binden. Aber gibt es wirklich ein zu viel an Nähe? Eine zu enge Bindung zwischen Fachkraft und Kind? Um diese Frage geht es in dieser Podcastfolge.

Maywald, J. (2019): Gewalt durch pädagogische Fachkräfte verhindern: Herder Verlag. (Amazon)

Hier findest du den passenden Artikel zum Podcast: https://www.beduerfnisorientierte-kinderbetreuung.de/zu-viel-naehe-gibt-es-nicht-auch-nicht-im-paedagogischen-kontext

Warum werde ich ErzieherIn und was der Berufswunsch mit mir selbst zu tun hat.

Warum will ich ErzieherIn werden? Warum bist du ErzieherIn geworden? Was meinst du? Hast du dir dazu schonmal Gedanken gemacht?

Viele würden vielleicht antworten “na klar weiß ich das, schließlich war das eine Frage, die ich in meinem Motivationsschreiben und in meinem Aufnahmegespräch zur Erzieherin/ zum Erzieher beantworten musste”:

“ich will etwas mit Kindern machen”, “ich möchte etwas mit Menschen machen”, “man kann Kindern etwas beibringen”, “Kinderaugen strahlen einen immer so freundlich an” “Kinder sind immer so ehrlich” “Kinder geben mir so viel” “Kinder bereiten einem einfach Freude”

Das sind zumindest häufige Antworten von angehenden ErzieherInnen. Das zeigt auch eine Befragung von Auszubildenden, warum sie den Erzieherberug gewählt haben (Knauf, 2009).

Was treibt uns wirklich an?

Aber ich frage mich immer was ist es, das uns WIRKLICH ANTREIBT? Warum wählen so viele den Erzieherberuf? Wo hat der Wunsch angefangen, ErzieherIn werden zu wollen und warum? Was ist wirklich unser innerster, unbewusster Antrieb? Was steckt hinter den oberflächlich benannten Motiven?

WAS IST ES?

Um diese Frage klären zu können, müssen wir einen Schritt in unser Seelenleben wagen. Wir dürfen uns in unsere eigene Biografie hineindenken, unseren Gefühlen und unseren eigene Bedürfnissen Raum geben. Unser Unbewusstes weiß eine Antwort aber wissen wir es wirklich auch? Sarah hat im Podcast zu diesem Thema gesagt: “ich wusste da nicht gleich eine Antwort”. Wenn wir uns öffnen und in uns hineinschauen, finden wir vielleicht eine Antwort. Was treibt dich an?

… Vielleicht gibt es dir ein gutes Gefühl, wenn du dich um andere kümmern kannst? Wenn andere dich brauchen? Wenn du dich um andere kümmerst, kümmerst du dich gleichzeitig immer ein wenig auch um dich? Du magst es gebraucht zu werden. “Wenn sie [Kinder] glücklich sind, fühle ich mich wohl”. Dir gibt es ein gutes Gefühl dich für andere aufzuopfern, andere glücklich zu sehen.

… Ganz tief in dir drin sehnst du dich vielleicht nach (körperlicher) Nähe, nach Zuwendung und nach Jemandem, der dir zuhört. Kinder können dir diese Nähe geben, denn sie brauchen deine Nähe und sind auf deine Nähe angewiesen. Du kannst mit den Kindern kuscheln und sie herzen. Es fühlt sich für dich wohlig warm an, wenn Kinder eine innige Nähe zu dir aufbauen, die dir sonst oft fehlte?!

… Hast du vielleicht manchmal das Gefühl, du kannst der Welt nicht trauen?! Erwachsene lügen dich an, du musst immer auf der Hut sein? Sehnst du dich manchmal nach einem vertrauensvollen Umfeld, nach Jemandem, der ehrlich und authentisch zu dir ist?! “Kinder sind immer ehrlich”, sie zeigen dir ein authentische Reaktion. Das magst du sehr und fühlst dich deshalb immer wieder von Kindern angezogen? Endlich musst du nicht mehr mutmaßen, was dein Gegenüber wirklich fühlt?!

… Fühlst du dich wohl, wenn du anderen etwas beibringen kannst, wenn du dich schlau, wissend und kompetent fühlen kannst? Kinder sind aufmerksame Zuhörer, interessiert und geben dir das Gefühl, viel zu wissen und viel zu können. Kinder können dir das Gefühl geben, gut, richtig und kompetent zu sein. Das Gefühl gut genug, wissend genug, kompetent genug zu sein kam dir sonst eventuell öfter mal abhanden?!

… Wenn du ganz ehrlich mit dir selbst bist, magst du es manchmal mächtig zu sein? Wir Erwachsene sind körperlich und intellektuell betrachtet den Kindern in jedem Fall überlegen. Wir können über Kinder bestimmen, sagen was zu tun und zu lassen ist. Dieses machtvolle Handeln gibt dir eventuell Sicherheit? Du hast das Gefühl die Kontrolle bewahren und Herr der Lage sein zu können. Vielleicht ganz anders als du es als Kind erlebt hast?!

… Kann es sein, dass es sich für dich ziemlich gut anfühlt, von den Kindern Respekt verlangen zu können?! Du selbst respektierst und akzeptierst dich nicht immer und auch als Kind wurde nur selten deine Meinung respektiert. Du hattest zu gehorchen. Als ErzieherIn kannst du dir von den Kindern vielleicht das Gefühl zurückholen, Respekt verdient zu haben.

… Bist du manchmal traurig und es schleichen sich immer wieder negative Gedanken in deinen Kopf? Grübelst du viel und gelangst immer wieder in eine depressive Stimmung? Das Zusammensein mit Kindern ist für dich ein Segen. Denn Kinder schaffen es immer wieder dich aufzuheitern oder?! Du willst wahrscheinlich so gerne ErzieherIn werden oder bist es geworden weil “Kinder so fröhlich sind”?

… Abeitest du als ErzieherIn und bist auf der Suche nach dir selbst? Hast du den Erzieherberuf gewählt weil du mit den Kindern “an Reife gewinnen” (Knauf, 2009) und dich persönlich entwickeln kannst? Bist du als ErzieherIn tagtäglich mit den Kindern zusammen und merkst, eigentlich bist du auf der Suche nach deinem eigenen inneren Kind? Du möchtest dich mit deinem inneren Kind versöhnen? Dich mit deinem Schattenkind konfrontieren und dein Sonnenkind suchen? (Stahl, 2015)

Selbsterkenntnis als Chance nutzen

Hast du dich in einer der oben beschriebenen tiefer liegenden Motivationen erkannt? Lösen die Beschreibungen gar Widerstand in dir aus? Das kann durchaus sein und zeigt, dass eine Korrespondenz vorhanden sein kann, dass dich etwas in deinem Unbewussten berührt, das mit dir selbst zu tun hat.

Mir ist es wichtig zu sagen, dass es grundsätzlich keine Schande ist, eine oder mehrere der beschriebenen Motivationen in sich zu tragen. Ich finde es nicht abartig, mächtig sein zu wollen, sich durch Kinder aufheitern zu lassen, sich durch Kinder einen Sinn zu geben, sich eigene Bedürfnisse mithilfe der Kinder zu erfüllen. Irgendwie tun wir das alle, um uns unseren Selbstwert zu erhalten oder zu erhöhen. Wir als Menschen sind alle in gewisser Weise bedürftig, brauchen Bestätigung, Wertschätzung und Anerkennung.

In einer Befragung von Auszubildenden zu der Frage, warum sie ErzieherIn werden wollen, zeigt sich ebenso, dass ihre Haupt Motivation darin liegt, etwas von den Kindern zurückzubekommen (Knauf, 2009). Dieses Ergebnis zeigt, wie wichtig es uns als ErzieherInnen ist, emotional etwas von den Kindern zu erhalten, durch sie genährt zu werden. Es zeigt sich, wie bedürftig wir an vielen Stellen sind.

Anke Ballmann drückt diese Bedürftigkeit von Erwachsenen in ihrem Buch “Seelenprügel” noch deutlich drastischer aus und sagt: “soziale Einrichtungen sind kein Auffangbecken für erwachsene Kinder!” (Seelenprügel 2019).

Reflexion der tiefer liegenden Motivation

Etwas von den Kindern zurückzubekommen, sich mächtig fühlen zu können oder sich durch die Kinder eine heitere Umgebung zu schaffen “darf eine schöne Begleiterscheinung sein” so Sarah Bohnes im Podcastinterview. Allerdings darf es nicht aus einem Mangel heraus entstehen oder aus einem grundlegenden unerfüllten Bedürfnis der Fachkraft”.

Deshalb ist es so wichtig, tief zu schauen. Denn wir sind uns oft nicht bewusst darüber, welche unbefriedigten Bedürfnisse eigentlich in uns schlummern. Wir haben bereits Bewältigungsstrategien entwickelt, mit unseren unerfüllten Bedürfnissen umzugehen. Das bedeutet, wir sind uns oft nicht bewusst darüber, wie wir uns eigentlich unbefriedigte Bedürfnisse erfüllen. Ein Weg kann es sein, die Unbefangenheit, Freude und Resonanz der Kinder für sich zu nutzen.

Gehen wir also diesen Schritt und fragen uns wirklich, was treibt mich an, den Erzieherberuf zu ergreifen? Denn wenn ich meine Motivation nicht reflektiere, wenn wir unseren tatsächlichen inneren Antrieb nicht wahrnehmen können, kann es passieren, dass die Kinder zu Marionetten werden, die unsere unerfüllten Bedürfnisse befriedigen. Das darf nicht sein. Wenn wir uns unseren eigentlichen Motiven nicht bewusst sind, kann es passieren, dass wir uns mit den Kindern verstricken, unsere Machtausübung nicht kontrollieren lernen und die Grenzen der Kinder nicht wahrnehmen können.

Meine Feinfühligkeit kann dadurch geschmälert werden. Ich vermag es nicht mehr, passend auf die Signale der Kinder zu reagieren. Dadurch können Kinder eine unsichere Bindungsqualität zu uns als pädagogischen Fachkräften entwickeln und eine unsichere oder sogar desorganisierte (traumatische) Bindung kann weitreichende Einflüsse auf das Selbstbild sowie den Stresshaushalt eines Kindes nehmen.

Deshalb sollten wir uns als pädagogische Fachkräfte immer wieder fragen:

  • wie bedürftig bin ich momentan selbst?
  • Was erwarte ich von den Kindern?
  • Was sollen sie mir geben?
  • Was und wieviel kann ich ihnen momentan geben?
  • Wie stabil und gewachsen bin ich selbst momentan in meiner Persönlichkeit?

Kinder sind wie ein Spiegel, sie konfrontieren dich mit deinem Innersten, auch mit deinen Wunden. Das kann schmerzhaft sein aber auch Heilung bringen.

Unsere Bedürfnisse als Fachkräfte wahrnehmen

Bereits in der Ausbildung sollten wir uns dazu Gedanken machen, welche unerfüllten Bedürfnisse habe ich selbst? Und nach was suche ich genau?

  • Was brauche ich, um mich gut mit mir selbst zu fühlen?
  • Welche Stärken habe ich? Welche Stärken kann ich sehen?
  • Wie kann ich dafür sorgen, mich unabhängig zu fühlen?
  • Habe ich die Möglichkeit, mich selbstwirksam zu fühlen?
  • Habe ich die Möglichkeit nach einem empathischen Gegenüber, das mir zuhört?

Es gibt unzählige Bedürfnisse, die dabei eine Rolle spielen können. Weitere mögliche Bedürfnisse findest du im Artikel: “die Bedürfnisse des Menschen

Eines dürfen wir nicht vergessen, unsere Aufgabe als Erzieherinnen und Erzieher ist es, für die Kinder da zu sein, sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen, sie in ihrem SEIN zu sehen, mit all ihren Gefühlen, Bedürfnissen und Grenzen. Die Kinder sind nicht dafür da, uns unsere unerfüllten Bedürfnisse zu stillen.

Ballmann, A.E. (2019): Seelenprügel

Knauf, H. (2009): Ich will Erzieher/in werden. Warum brandenburgische Fachschülerinnen und -schüler sich für den Beruf der/des Erziehers/in entscheiden. In: Kita aktuell, 3/2009, Carl Link Verlag. S. 52-54.

Stahl, S. (2015): Das Kind in dir muss Heimat finden. Der Schlüssel zur Lösung (fast) aller Probleme. Kailash Verlag: München.

11 – Aggressionen in der Kinderbetreuung – Teil 2

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Kathrin Hohmann von “Kindheit erleben” war wieder bei mir zu Gast. Wir haben uns erneut dem Thema “AGGRESSIONEN von Kindern in der KINDERBETREUUNG” gewidmet. Im heutigen zweiten Teil stellt Kathrin ein paar Ergebnisse ihrer Masterarbeit vor, wir sprechen über die Relevanz von Strafen sowie über das Thema Selbstfürsorge von Fachkräften. Der Schwerpunkt dieser Podcastfolge liegt darin, zu überlegen, wie man mit “aggressiven” Kindern umgehen kann. Anhand eines Leitfadens stellt Kathrin uns konkrete Handlungsoptionen vor, die wir gemeinsam diskutieren und auf die Beispiele anwenden.

Shownotes:

Artikel zu gewaltvollem Handeln durch pädagogische Fachkräfte: https://www.beduerfnisorientierte-kinderbetreuung.de/uebersicht-ueber-fehlverhalten-paedagogischer-fachkraefte-in-kindertagesstaetten

Artikel darüber, warum es nicht auf den Personalschlüssel ankommt, sondern auf die pädagogische Haltung: https://www.beduerfnisorientierte-kinderbetreuung.de/man-kann-nicht-alles-auf-den-personalschluessel-schieben-die-haltung-ist-entscheidend

Artiel von Kathrin Hohmann: Regeln, Grenzen, Konsequenzen und Strafen: https://kindheiterleben.de/regeln-grenzen-konsequenzen-strafen-in-der-erziehung/

Website von Kindheiterleben https://kindheiterleben.de/

Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Masterarbeit “Aggressionen im Kindesalter – die Bedeutung von Aggressionen von Kindern in Kindertageseinrichtungen” von Kathrin Hohmann, in der sie 402 pädagogische Fachkräfte in Kindertagesstätten befragte und u.a. folgende Ergebnisse erzielte:

  1. Treten körperliche Aggressionen in der Kita auf? 98% sagen: Ja
  2. Dürfen Kinder in der Kita laut sein? 95%: Ja, 5%: nein
  3. Werden die aggressiven Kinder in der Kita bestraft? 53%: Ja.
  4. Wie wird das aggressive Kind bestraft? 31%: auf einen Stuhl setzen, 22%: Kind bekommt Ärger, 16%: keine Strafe
  5. Wird in eurer Kita noch der stille Stuhl genutzt? 28%: Ja, 70%: nie
  6. Fühlt ihr euch im Arbeitsalltag oft gestresst? insg. 70%: ja

Buch Seelenprügel: https://www.amazon.de/Seelenpr%C3%BCgel-Kindern-wirklich-passiert-dagegen-ebook/dp/B07QMB29Z8

Kinder missachten Regeln nicht aus Böswilligkeit

Kinder brechen Regeln, halten sich nicht an Vereinbarungen und hören nicht zu. Wenn wir sie darum bitten, die Regeln einzuhalten, grinsen sie nur frech und ignorieren uns. Das stimmt.

Und es könnte einen selbst zur WEISSGLUT bringen. 
“Was fällt dem Kind ein? Wie ignorant, provokant, frech und aufmüpfig. Wo soll das nur hinführen?!” “dann halte ich mich eben auch nicht mehr an seine Regeln” schwirrt es mir bockig im Kopf herum.

Ich bin verärgert, zornig, empört, 
“DAS KANN JA WOHL NICHT WAHR SEIN!”
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STOPP!!!, innehalten.
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Einmal tief durchatmen…

Sie tun es NICHT mit ABSICHT, nicht, um uns zu ärgern, nicht um uns zu provozieren!

In dem Moment ging es nicht anders, der IMPULS war STÄRKER als der Kontrollmechanismus, das steuernde Gefühl drängender als die stoppende Beherrschung. Lucas Empörung darüber, dass Isabell seinen Turm umgestoßen hat war präsenter als die rationale Überlegung sich an die vereinbarte Regel zu halten.

Die Regel “wir hauen und treten nicht” fällt Isabell erst viel später wieder ein als ihr Ärger verflogen ist.

Regeln sind dazu da, eine friedvolle Gemeinschaft einzuüben. Und die Betonung liegt auf ÜBEN! Und beim Üben passieren uns immer und immer wieder FEHLER. Das liegt in der Natur der Sache. Wir können ein Verhalten nicht sofort kontrollieren; das ist so beim Fahrradfahren Üben, beim Schreiben Üben, beim Üben des friedlichen Miteinanders und beim Üben der Impulskontrolle.

Sich an Regeln halten ist also ÜBUNGSSACHE!!!

Und zum Üben gehört es dazu, FEHLER zu MACHEN und machen zu dürfen, sonst könnte man ja schon, was man übt und würde das Üben überflüssig machen.

Wenn Kinder also Regeln missachten, dann weil sie die Regel schlicht nicht einhalten konnten.

Vergessen wir nicht, JEDER MENSCH TUT in jedem Moment DAS BESTE, WAS ER KANN. Das sagte Carl Rogers, das sagte Marshall Rosenberg und wie sie alle heißen. Und wenn ein Kind es in dem Moment nicht schafft, sich an die vereinbarte Regeln (z.B. nicht zu hauen) zu halten, dann nur weil es etwas gibt, das es davon abhält.

GRÜNDE dafür gibt es viele und sie variieren von Kind zu Kind und von Situation zu Situation: weil das Kind gekränkt ist, weil es ein unerfülltes Bedürfnis gibt, weil es eine innere Unruhe gibt, weil es überfordert ist, weil es sich nicht verstanden fühlt, weil es so sehr mit sich und seiner Emotion beschäftigt ist, dass die Regel in den Hintergrund rückt – einfach abgekappt ist.

Wenn ein Kind sich nicht an die Regel hält, sollte es also NICHT BESTRAFT werden. Das hilft nicht, es schadet.

Vielmehr sollten wir ihm VERSTÄNDNIS und Wohlwollen entgegenbringen und sagen:
“du weißt, wir haben diese Regel. Ich weiß, dass du weißt, dass es diese Regel gibt. Und wir beide wissen, jetzt gerade war es für dich nicht möglich, dich an die Regel zu halten. Das ist in Ordnung. Fehler passieren, wir üben alle zusammen, uns an die Vereinbarung zu halten. Wir unterstützen uns dabei, du hilfst mir und ich helfe dir, in Ordnung?”

Denn WAS SOLL DAS KIND DENN LERNEN?

Wollen wir, dass es aus der Situation mitnimmt: “ich muss mich an die Regeln halten koste es was es wolle” “”bloß keine Fehler machen” “ich bin schuld, dass ich mich nicht an die Regel halten konnte” “ich bin falsch”, “wenn ich nicht das tue, was von mir verlangt wird, kann es schmerzhaft für mich werden”????

Oder ist es uns lieber, wenn die Kinder für sich mitnehmen: “eine Regel soll eine Unterstützung sein”, “sie hilft uns allen” “ich bin ok auch wenn ich es mal nicht schaffe mich an eine Regel zu halten”, “ich trage keine Schuld”, “ich bekomme Unterstützung, wenn mir etwas noch nicht gelingt”, “wir sind alle Lernende”, “ich bin fähig etwas zu lernen”, “Fehler machen ist ok”??!!

Wir können also BERUHIGT sein. Wenn Kinder sich nicht an vereinbarte Regeln halten, dann nur weil es gerade nicht ging. Wir dürfen entspannt sein und sagen: “na gut, diesmal hat es nicht geklappt, wir üben weiter”. Genauso wie beim Fahrrad fahren.

Es ist NICHT unsere SCHULD, dass das Kind noch nicht Fahrrad fahren kann. Genauso wenig ist es unsere Schuld, wenn das Kind es noch nicht schafft, sich an unsere gemeinsamen Regeln zu halten. Aber wir können üben!

Und seien wir mal ehrlich, schaffen wir es immer uns an die vereinbarten Regeln zu halten?! Sind wir also fehlerfreundlich mit uns und fehlerfreundlich mit den Kindern.

Alles Liebe,
eure Lea