Die Kitas öffnen wieder – ein Paket zum Wiedereinstieg

Wann wird es wohl so weit sein, wann öffnen die Kitas wieder und wie wird der Alltag dann wohl sein? Diese Fragen stellen sich viele Fachkräfte und Eltern. Es wird diskutiert über die Maßnahmen, ob sie angebracht sind oder nicht und wie sehr große und kleine Kinder darunter leiden. Eine Einschätzung zur Corona Lage von mir findet ihr im Artikel: “Coronamaßnahmen und das Leid der Menschenskinder“. Jede Krise ist eine Herausforderung und gleichzeitg bietet sie eine Menge Chancen. Pandemie ist, was wir draus machen meint auch Fea Finger in ihrem Podcast Fea’s naive Welt.

Viele Menschen sind am Ende ihrer Kräfte und sehnen sich händeringend nach einer Öffnung der Kitas. Manche bangen hingegen um den Moment der Öffnung weil sie nicht wissen, wie das eigene Kind diesen Wiedereinstieg verkraften wird. Sie haben die Familienzeit eigentlich genossen und wollen diese intensive Zeit nicht so gerne aufgeben.

Um sich selbst etwas klarer darüber zu werden, was wünsche ich mir für den Wiedereinstieg in die Kita, was brauchen Eltern und was pädagogische Fachkräfte, sind in diesem Artikel und in dieser Podcastfolge: “Was kommt nach Corona? Die Rückkehr der Kinder in die Kinderbetreuung bedürfnisorientiert gestalten” Fragen aufgelistet, die sich ein jeder für die Rückkehr stellen kann. Sie sollen dazu anhalten, sich selbst und die Situation zu reflektieren, sich in die Kinder und Eltern einzufühlen sowie Verantwortung für sich und die einem anvertrauten Menschen zu übernehmen.

(Wieder-) Eingewöhnung

Zum Wiedereinstieg wird es unerlässlich sein, dass einige Kinder eine neue Eingewöhnung bekommen. Viel zu lange waren sie nicht mehr in der Alltagsroutine der Kita, kennen sich womöglich nicht mehr aus oder fremdeln sogar. Nicht zu vergessen, die Zeit im Lockdown fühlt sich für Kinder viel länger an als für Erwachsene. Wovon ausgegangen werden kann, ist, dass die Zeit für manche Kinder mit viel Unsicherheit und Orientierungslosigkeit verbunden war. Je nach Kind kann ein Abgeben ohne neue Eingewöhnung erneut Verunsicherung hervorrufen. Deshalb sollten pädagogische Fachkräfte äußerst sensibel auf die Bedarfe von Eltern und Kindern schauen und in Übergangsphasen Sicherheit vermitteln. Viele Träger haben die Verträge mit neuen Kindern verschoben, was dazu führt, dass nun, wenn wieder geöffnet wird, viele Eingewöhnungen und Wiedereingewöhnungen auf die pädagogischen Fachkräfte warten.

Um sich nochmal allgemein mit dem Thema Eingewöhnung zu beschäftigen, gibt es zwei Folgen des Kita Podcasts: “Bedürfnisorientierte Eingewöhnung begleiten” mit Stefanie von Brück, die ich sehr empfehlen kann. Wie eine Eingewöhnung unter Corona Bedingungen möglich ist und was dabei beachtet werden sollte, ist im Artikel “Wenn die neuen Kinder und Eltern kommen” von Anja Cantzler nachzulesen.

Um mehrere Eingewöhnungen gleichzeitig trotzdem achtsam und bedürfnisorientiert zu begleiten, gibt es die Möglichkeit einer Eingewöhnung in der Peergroup. Informationen gibt es dazu in meinem Der Kita Podcast, bei der Kita Talk von Anja Cantzler und im Podcast für Leitungkräfte von Tanja Köster.

Welche Herausforderungen bei der Wiedereingewöhnung zu bewerkstelligen sind, damit befasst sich Kathrin Hohmann im Gespräch mit Kathrin Krüger und Monika Thiel im nifbe Podcast: Herausforderungen der Wiedereingewöhnung in Krippe und Kita

Partnerschaft mit Eltern während und nach der Pandemie

Viele Eltern werden durch den Wiedereinstieg erleichtert sein, manche brauchen jedoch auch besondere Zuwendung. Der Lockdown hat an ihnen gezehrt, sie sind verunsichert und wünschen sich eine feinfühlige Unterstützung für sich und ihr Kind. Wie sehr Eltern in dieser Zeit Verständnis brauchen, wird im Kita Talk mit Fea Finger “Achtung vor Eltern in der Pandemie” deutlich.

Welche Herausforderung die Partnerschaft mit Eltern in der Corona Zeit birgt, welche Bedürfnisse von Kindern, Fachkräften und Eltern besonders bedacht werden dürfen und welche kreativen Lösungen es für die Partnerschaft in Coronazeiten gibt, wird hier im Interview mit mir im Kita Talk von Anja Cantzler “Erziehungspartnerschaft im Ausnahmezustand” aufgegriffen. Auch in Fea Fingers Podcast greift sie das Thema “Elternpartnerschaft unter Pandemiebedingungen” auf

Wieder ankommen und Verarbeitung der Krisenzeit

Krisen verunsichern, Krisen fordern heraus und Krisen hinterlassen ihre Spuren. Davon dürfen Fachkräfte bei der Wiederaufnahme der Betreuung ausgehen. Sowohl Eltern als auch Kinder werden viel Redebedarf, das Bedürfnis nach Sicherheit, Struktur und Entlastung haben.

Wie es möglich ist, den Kindern den Wiedereinstieg in die Kita zu erleichtern, den Übergang zurück in die Einrichtungen so leicht wie möglich zu machen, kann im Artikel “Übergänge gestalten – (Wieder) Ankommen in der Kita” nachgelesen werden.

Welche Möglichkeiten es gibt, um die Coronazeit mit Kindern aufzuarbeiten, darüber spricht Kathrin Hohmann im nifbe Podcast mit Prof. Dr, Iris Nentwig Gesemann: Wie können wir mit Kindern die Corona Krise bearbeiten?

Gerade jetzt können pädagogische Fachkräfte die eigene und die Resilienz der Kinder stärken. Die innere Widerstandskraft ist es, welche Menschen unversehrt durch unruhige Zeiten wie diese bringt. Resilienztrainerin Fea Finger erklärt in ihrer Podcastfolge: “Resilienzfaktoren, die wir gerade jetzt stärken dürfen” wie uns das gut gelingen kann.

Was alle Eltern und Fachkräfte momentan in jedem Fall gebrauchen können, ist ganz viel Kraft für die Krise wie es in einem Interview vom Kita Talk mit Sandra von der Werkstatt der guten Gedanken heißt.

Ich wünsche Ihnen allen ganz viel Kraft, Zuversicht, Achtsamkeit für das Jetzt und der optimistische Blick nach vorne, dass diese Zeit auch etwas Gutes bereitshält.

Bleiben Sie gesund,

Lea Wedewardt

Coronamaßnahmen und das Leid der Menschenkinder

Dass Corona existiert, viele Menschen sterben und das Land im Ausnahmezustand ist, das ist nicht zu leugnen. Viele Ärtz:innen, Pfleger:innen, Eltern und nicht zuletzt pädagogische Fachkräfte stehen am Ende ihrer Kräfte. Sie sind ausgelaugt und müssen seit Wochen wichtige Bedürfnisse hinten anstellen – das Bedürfnis nach Sicherheit, Orientierung, Struktur, Alltag, Normalität, Entspannung und Ruhe.

Ähnlich und doch viel mehr trifft dieser Lockdown die Kleinsten. Sie sind ebenfalls am Ende ihrer Kräfte weil viele ihrer Bedürfnisse unerfüllt bleiben. Beispielweise durch das Homeoffice der Eltern, erleben sie, dass ihre Eltern erschöpft und ausgelaugt sind. Dadurch fehlt ihnen der echte, warme Kontakt zu ihnen, die Zuversicht und der Optimismus, es wird alles gut. Sie sind verunsichert, verwirrt und alleine. Dass Kitas und Grundschulen geschlossen sind, trägt mit dazu bei, dass der Kontakt zu Gleichaltrigen stark eingeschränkt ist. Das Tragen von Masken irritiert viele Kleinkinder und verhindert den Zugang zu der so wichtigen mimischen Resonanz der Erwachsenen, an der sie sich orientieren. Psychologen schlagen Alarm, dass viele Kinder psychische Schäden aus dieser schweren Zeit mitnehmen. Auch von mehr Gewalt in Familien ist immer wieder die Rede.

Bedürfnisse, die lange Zeit unerfüllt bleiben, insbesondere psychische Bedürfnisse, führen nachweislich zu psychischem Leid: Depressionen, chronische Erschöpfung, Angststörungen. Wir befinden uns momentan also in einem echten Dilemma zwischen dem Schutz der körperlichen Gesundheit und dem Schutz der psychische Gesundheit. Wie soll man da entscheiden?! Ich frage mich, ist es das wirklich Wert, die psychische Gesundheit unbeachtet zu lassen, um die körperliche Gesundheit mit allen Mitteln zu wahren? Die psychische Gesundheit ist unsichtbar, man sieht sie nicht auf den ersten Blick. Aber rechtfertigt das, sie so sehr zu vernachlässigen?

Die Maßnahmen der Politik von heute auf Morgen zu verändern ist wohl nicht machbar und auch nicht sinnvoll. Die Entscheidungsträger werden ihre auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und durch die Beratung vieler Fachexperten getroffenen Entscheidungen wohl überlegt haben. Ich vertraue ihnen und weiß dennoch, sie sind auch nur Menschen, die Fehler machen können. Ich verzeihe ihnen. Sie geben auch nur ihr Bestes und entscheiden zum Wohle aller nach bestem Wissen und Gewissen. Das ist eine wirkliche Bürde, die Politiker tragen – eine die ich nicht tragen wollen würde. Und dennoch sind sie nicht allwissend und es kann sein, dass sie Wichtiges übersehen: die psychische Gesundheit von Menschen – inbesondere die der Kleinsten.

Was können wir nun tun? Das ist die große Frage. Wir können das Beste daraus machen, eine positive Brille aufsetzen und gut für die unerfüllten eigenen sowie die Bedürfnisse der mir umgebenden Menschen sorgen.

Wir können Optimismus versprühen und so die Resilienz der Kinder fördern: “Momentan ist es manchmal schwer, aber ich bin mir sicher, es dauert nicht mehr lange, und dann wird alles wieder gut sein”.

Wir können für eine psychische Sicherheit sorgen, indem wir verlässliche Ansprechpartner sind, Gefühle der Kinder aushalten und viel Körperkontakt anbieten. Das baut Stresshormone ab. “Hast du manchmal Angst, was passiert? Ja, das habe ich auch. Es ist alles so anders. Aber ich weiß, wir halten fest zusammen, haben hier eine schöne Zeit und es dauert nicht mehr lange, da werden wir wieder Ausflüge machen können!”

Wir können das Positive an der Situation sehen: mehr Zeit, mehr Familienzeit, mehr Möglichkeit für technische Entwicklungen, kurzzeitige Erholung des Klimas, Möglichkeiten, um sich selbst neu zu entdecken, eigene Ziele zu überdenken. “Wie wundervoll, wir können ausschlafen und einfach das tun, nach was uns der Sinn steht!”

Wir können einander Einfühlung geben, nicht nur den Kindern, auch Nachbarn, befreundeten Ärzt:innen, Pfleger:innen oder pädagogischen Fachkräften: “Das, was du leistest, ist wirklich viel. Du bist sicherlich sehr erschöpft und sehnst dich nach einer Pause und Normalität oder?” “Du ärgerst dich sehr über die Maßnahmen der Politik. Sie sind für dich schwer erträglich oder? Können wir dich in irgendeiner Weise entlasten?” Allein das Gesehen werden erfüllt Kindern und Erwachsenen einige wichtige psychische Grundbedürfnisse nach Anerkennung, Gesehen werden, Wertschätzung, Respekt und die Botschaft:

“Was du fühlst ist in Ordnung, was du denkst ist in Ordnung und wie du bist ist in Ordnung!”

Viele Mensche müssen in diesen Zeiten eine große Last tragen, insbesondere die Kinder. Übernehmen wir also Verantwortung, sorgen wir für uns selbst und für die Kleinsten. Vermitteln wir Sicherheit, Orientierung, Struktur und gönnen wir uns selbst Ruhe und Entspannung.

Ich bin mir sicher, wenn wir annehmen, was ist und das Beste daraus machen, werden wir alle gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Stärkende, umarmende Grüße,

Lea